Game of Thrones - Season 6

Game of Thrones - Season 6

09.07.2016 01:56

Vor etwas mehr als einer Woche ging die mittlerweile schon 6. Staffel von GoT zu Ende. Ich hab das Ganze dieses Jahr zum ersten Mal im wöchentlichen Rhythmus (also eine Folge pro Woche) bei Sky online verfolgt. Vorher hatte ich immer auf die DVDs/Blu-Rays gewartet oder bei RTL2 online geschaut. Sei es, wie es ist, aber das Feeling der ersten 3-4 Staffeln kam bei mir wie schon in Season 5 (außer gegen Ende) nicht so richtig auf. Ich finde daher schon, dass man eine GoT-Staffel wie die meisten anderen niveauvollen Serien mit fortlaufender Handlung am besten innerhalb einiger Tage schauen sollte. Deshalb ist meine folgende Sichtweise noch nicht ganz in Stein gemeißelt;)) Achtung: Spoiler


Die Staffel fing ganz gut an, wobei ich schon erzürnt darüber war, wie teilweise billig man die ganzen Cliffhanger aus dem Season 5 - Finale aufgelöst hat. Ich mag solche Mogelpackungen grundsätzlich nicht. Das "Highlight" dieser war natürlich die Wiederauferstehung von Jon Snow. Man hatte es ja geahnt, aber wie das Ganze ablief, war selbst für eine Fantasy-Serie ein bisschen lächerlich: Melisandre schneidet ihm ein paar Haare ab, dann ein wenig Bibi Blocksberg-Hokuspokus und fertig - schon lebt er wieder. Am Ende der Staffel bekommt man ja dann die Bestätigung, wie von vielen vermutet, dass Jon ein Targaryen ist. Deshalb wäre meiner Meinung nach eine Wiederauferstehung in einem "Feuer-Style" besser gewesen. So wirkt es schon arg billig, wie man den Fanliebling zurückbringt, auch wenn das Ganze natürlich sehr atmosphärisch inszeniert war. Weitere Erklärungen blieben diesbezüglich ja auch aus - wie erwartet. Man soll es einfach so hinnehmen, dass die "rote Frau" auf diese Art und Weise Jon erweckt hat genauso wie man zu Beginn von Season 2 einfach hinnehmen musste, dass sie mit Stannis einen Schatten zeugen kann, welcher dann nach seiner Geburt direkt Renly tötet. Man denkt sich nur: "Was zum Kuckuck" und wird damit ratlos zurückgelassen. Erklärungen in Fantasyserien/filmen sind nicht ohne Grund berühmt-berüchtigt.

Abgesehen davon war die ganze Handlung um Jon, Sansa und Co. aber sehr überzeugend, für mich der beste Handlungsstrang. Hier passierte wirklich mal was, es ging voran, Menschen kamen zusammen und gingen wieder auseinander (oder wurden getötet). Die kleine Lady Mormont z.B. war klasse, tolle junge Schauspielerin. Die Schlacht in Folge 9 war natürlich grandios inszeniert, aber insgesamt leider sehr vorhersehbar, auch was das Ableben von Ramsay und Rinckon betrifft. Und das ist auch so ein Punkt, der mich stört, wenn Figuren wie eben Rinckon, Osha oder Walder Frey nach mehreren Staffeln plötzlich wiederauftauchen, nur um sie dann nach 1-2 Szenen sterben zu lassen.



Die Handlung um Arya war in Season 5 großer Murks (als sie nur Leichen gewaschen hat), in dieser Staffel war es etwas besser, auch durch das Theaterstück, dass es immer wieder zu sehen gab. (Fake-Cersei war super) Ansonsten fühlte sich dieser ganze Arya-Plot aber sinnlos an. Wie reine Zeitverschwendung. Und wie sie dem Tod einige Male entkam, war äußert fragwürdig. Auch die Figur des Jaqen h'ghar wurde entmystifiziert - in Season 2 noch so ein mysteriöser, spannender Charaker und in Season 5 und 6 quasi eine Art Waschweib, der in seiner überdunklen Hütte auch nichts zu tun hatte und mir eher auf die Nerven ging.

Beim Plot um Daenerys war irgendwie alles wie immer. Er trat auf der Stelle, wie schon seit mehreren Staffeln. Es gab die obligatorischen 1-2 epischen Szenen (Ende von Folge 4 und Anfang von Folge 9) und ansonsten wurde die Zeit hemmungslos überbrückt. Diverse Szenen, die wir schon so ähnlich früher gesehen haben, wiederholen sich immer wieder. Überhaupt war Madame Drachenmutti fast die ganze Staffel verschwunden, um dann am Ende wieder aufzutauchen und sich endlich gen Westeros aufzumachen. (Na, das wurde aber auch mal Zeit.) Schade ist es damit auch um Tyrion gewesen, der noch nie so wenig zu tun hatte. Mitte der Staffel war er mehrere Folgen gar nicht zu sehen und dabei ist Peter Dinklage doch der beste Schauspieler der Serie. Was bleibt mir also vom Daenerys-Plot in Season 6 am meisten hängen? (was für ein Wortspiel):



Die Storyline um Bran hat mir überraschend gut gefallen, was auch an den diversen Rückblenden lag. Hätte ich nach Season 3 oder 4, wo ich Bran eher schnarchig fand, nicht gedacht. Das Highlight war da natürlich die Folge 5 um Hodor (Was für ein genialer Einfall - Hold the door). Dass dann kurz darauf Onkel Benjen zum ersten 1. Mal seit Season 1 auftaucht und Bran in der allergrößten Not rettet, nur um sich am Ende der Staffel auf absurde Weise mit einer fadenscheinigen Erklärung wieder von Bran zu verabschieden, ist natürlich zum Haareraufen und gehört in die selbe ärgerliche Kategorie, wie man mit den anderen zurückgekehrten Figuren umgegangen ist.

Und wo ich gerade dabei bin: Die Rückkehr einer anderen Figur, nämlich die des Bluthundes, war dagegen überraschend und überzeugend. Einfach ein toller Schauspieler, dieser Rory McCann. Von Ian McShane hätte ich aber gerne noch mehr gesehen.

Den Plot in der Hauptstadt um Cersei, bisweilen Jamie und den Hohen Spatzen fand ich sehr in die Länge gezogen, richtig auffallend hinausgezögert. Jede Folge sah es nach einem Showdown aus, aber es passierte einfach nichts. Als es dann im Finale aber dann doch endlich soweit war, war ich schwer angetan: Die ersten 20 Minuten des Finals waren grandios. Cersei hat ihre Rache bekommen und der High Sparrow ist weg vom Fenster. Wie man allerdings mit der Figur Tommen in Season 6 umgegangen ist, war enttäuschend. In Season 4 und 5 fand ich ihn als krasser Gegenentwurf zu Joffrey ganz interessant und jetzt in dieser Staffel lässt er sich vom Spatzen einlullen, redete nicht mal mehr mit seiner Mutter und es gipfelt in diesem wort- und emotionslosen Abgang, der mir dann auch egal war, genau wie seiner Mutter.



Habe ich irgendwen vergessen, sicherlich, bei Game of Thrones gibt es unendlich viele Storylines und Figuren, fast zu viele. Die wenigen Szenen mit Sam z.B. fand ich gut, vor allem die Momente bei seiner Familie. Diese Tischszene der Tarlys in Folge 6 war großartig gespielt, vor allem vom Vater. Auch das wunderschöne Grün der Insel hat mich begeistert. Und überhaupt sind die tollen Bilder, die verschiedenen Schauplätze mitsamt Charakteren, die grandiose Inszenierung (die Schlacht in Folge 9), die überragenden Effekte (die Drachenaction ebenfalls in Folge 9) und Schauspieler, Musik usw. die großen Stärken der Serie. Technisch gesehen einwandfrei, die ganzen Massenszenen sind Wahnsinn, man sieht in jeder Sekunde, was für ein immenser Aufwand für diese Serie betrieben wird - wohl einmalig in der TV-Geschichte. Wenn da nur der Inhalt, die Glaubwürdigkeit diverser Elemente nicht wäre. Auch die Dialoge sind nicht mehr so gut wie früher.

Was ich auch noch anmerken will: In Season 1 war GoT noch eine Mittelalterserie mit gewissen Fantasyelementen, jetzt ist es eine reine Fantasyserie. Immer mehr Figuren haben übernatürliche Fähigkeiten, z.B. die Stark-Kinder. In Staffel 1 noch normal - mitterweile ist Jon unsterblich, Bran ist der dreiäugige Rabe und Arya ist eine Profikillerin, die kaum totzukriegen ist und ihr Gesicht verändern kann. Da bin ich ja froh, dass wenigstens Sansa noch normal ist. Aber wer weiß, welche Fähigkeiten sie noch besitzt. Ach ja, die Szenen mit Theon und seiner Schwester fand ich auch in Ordnung, vor allem in der Folge mit der "Taufe".

Die "Reisezeiten" in GoT bleiben für mich weiterhin rätselhaft. Einige Leute wie Littlefinger, Varys und am Ende z.B. auch Arya sind offenbar mit dem Düsenjet unterwegs, während andere Figuren (z.B. Sam) gefühlt keinen Millimeter vorankommen. Das gilt ja auch für die verschiedenen Plots, hier und da hetzt man fast Richtung Serienende, bei anderen Geschichten vergeht eine Ewigkeit und trotzdem passiert einfach nichts und man tritt auf der Stelle.

Fazit: Zusammenfassend hört sich das vielleicht dramatischer an als ich es meine und natürlich ist es Jammern auf hohem Niveau. Das steht außer Frage, aber ich bin von GoT besseres gewöhnt. Die technischen Stärken der Serie sind bekannt, nur beim Inhalt hapert es immer mehr. Auch bei einer Fantasyserie kann man nicht alles durchwinken, nur weil es Fantasy ist. Die Glaubwürdigkeit, die Regeln innerhalb der Serienwelt sollte man schon einhalten. Die besten Folgen waren für mich wohl 4, 5, 9 und 10, wobei ich bei den letzten beiden nun auch nicht in diesen krassen Lobgesang der Fanboys einstimmen kann. Laut denen und imdb sind 9 und 10 gleich die besten Folgen der kompletten Seriengeschichte, was ich für arg übertrieben halte. Die Folgen 6-8 werden schwächer eingeschätzt, weil sie ruhiger waren. Fand ich aber gar nicht so schlecht, nur Folge 8 fiel schon etwas ab. Insgesamt 8/10

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  • Erstellt von Sandro In der Kategorie Allgemein am 09.07.2016 01:56:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 09.07.2016 07:35
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